Es war einmal – oder – wie kam der Wein nach Polling?
Polling, das Klosterdorf, feierte 2003 seine 1250 Jahre währende Geschichte seit der ersten Klostergründung durch Herzog Tassilo III. Über den Durst der Mönche verbreitete sich so manche Sage. Nachweislich verfügte das Closter Pollingen seit 1173 über „zwei Weingärten in Obermais und einen gut angelegten Hof“ (Schenkung von Graf Berthold von Tirol). Die Literatur mutmaßt insgesamt 4 Weingüter, die sich das Pollinger Augustiner Chorherrenstift im Laufe der Jahrhunderte im südtiroler Etschland durch Kauf und Tausch zulegte. 1263/64 gewährten Graf Meinhard von Tirol und seine Gemahlin Elisabeth den Pollinger Klosterherren im Rahmen der Zollbefreiung die Erlaubnis, „aus seinen Weingütern jährlich Wein für 80 Saumpferde aus Tirol auszuführen“.
Später wurde auf Pferdefuhrwerke umgestellt, deren – je nach Ernte – 2 bis 4 Gespanne den Gärmost unter abenteuerlichen Umständen jeweils Anfang November über den Brenner- bzw. Reschenpass bis zum Weinkeller des Klosters nach Polling transportierten. Der Wein diente nicht nur als Messwein, sondern auch zur Verköstigung der zahlreichen weltlichen Gäste des Klosters.
Dieser „Weinverbund“ endete fast sieben Jahrhunderte später sehr plötzlich, als im Jahre 1803 das Kloster im Rahmen der Säkularisation auch seiner südtiroler Besitzungen „entledigt“ wurde. Der Pollinger Hof gelangte bald nach der Säkularisation in den Besitz der Vorfahren der heutigen Besitzerfamilie Huber, die den Weinbau Anfang der 70er Jahre aufgab und heute noch Obstbau sowie das stilvolle „ Hotel Pollinger“ betreibt.
Pollinger „Spurensucher“ begannen 1998/99 mit Nachforschungen und fanden in Untermais (Stadtteil von Meran) eben jenen Pollinger Hof mit den alten Weinkellern, wie in der Überlieferung beschrieben. Die ehemaligen Weingärten des alten Pollinger Hofes liegen im Einzugsbereich der Meraner Weinkellerei. So vertieften die Pollinger Spurensucher ihre Kontakte zu den Meraner Winzern, Besuche und Besprechungen wechselten einander ab.
Aus der Idee wurde rasch ein konkreter Plan. Pollinger Geschäftsleute und die Gemeinde unterstützten die „Spurensucher“ mit Material und Logistik. Die zu Freunden gewordenen Winzer, zuvorderst deren Obmann Konrad Innerhofer, waren es auch, die uns Pollingern bei der Vorbereitung des „historischen Weintransports“ vom alten Pollinger Hof in Meran bis nach Polling (im Pfaffenwinkel) so trefflich unterstützten. Die 20 Mann starke „Expedition“ aus wackeren Fuhrleuten, Honorationen mit Cellerar, Magistratsherrn und Begleitmannschaften in historischen Kostümen (genäht von den Pollinger Schneiderinnen) bewältigte – wie anno dazumal – die 250 Kilometer lange Strecke mit den Stationen Meran, Schlanders, Glurns, Giernhof, Lermoos, Huglfing in einer erlebnisreichen Woche und brachte den köstlichen „Roten“ im Jubiläumsfass mit 2 Pferdefuhrwerken pünktlich zum Hl. Kreuzfest am 3. Mai ins Klosterdorf. Hier wurden sie von vielen Hunderten begeisterten Bürgern und der staunenden Prominenz, sowie den schneidigen Musikkapellen von Polling und Untermais herzlich begrüßt. Das anschließende Weinfest übertraf alle Erwartungen und setzte einen würdigen Schlusspunkt zu dem gelungenen Unternehmen.
Der Jubiläumswein fand bei den biergewohnten Pollingern (und weit darüber hinaus) so großen Anklang, dass sich aus der Aktionsgruppe „Historischer Weintransport“ alsbald die Pollinger Wein GbR bildete, die sich fürderhin dem Transport, der Verkostung und dem Verkauf der „Meraner Sonne“ (gemeint ist natürlich der köstliche Rebensaft) widmet.
Dazu
haben die Weinbrüder im historischen Keller des Pollinger Rathauses einen
ansprechenden Weinkeller (Lagerung und Verkauf) eingerichtet, der 2006 um
eine gemütliche Wein-Probierstube unter den
alten Kellergewölben des Rathauses erweitert wurde.
Dort finden monatlich jeweils am 2. Mittwoch
die beliebten Dämmerschoppen und jeweils am 4. Mittwoch die Vereins- und
Gästeabende der Pollinger Weinbruderschaft statt.
Um dies zu verstehen, bedarf es wieder eines kurzen Rückblickes in unsere Klostergeschichte.
König Heinrich, später Kaiser Heinrich II. verfügte in seiner Restitutionsurkunde vom 16. April 1010 die erneute Ausstattung des Klosters mit Liegenschaften und damit verbundenen Rechten in den genannten acht Ortschaften (so auch Pollinga und Wilhaim). Er schuf damit auch die Voraussetzungen für weitere Schenkungen von Adelsfamilien an das Kloster. Hierbei finden insbesondere die Schenkungen von Weinbauflächen und –gütern in der Grafschaft Tirol unser Interesse.
Bereits zum Zeitpunkt der ersten uns bekannten Schenkung im Jahre 1140, hatte das Kloster „ein Gut zu Mais zu lehen inne“. Wann diese Besitzrechte des Klosters in Mais (heute Meran) vorher jedoch genau begründet wurden, darüber schweigen sich die uns bekannten Quellen aus. Bekannt ist, dass die Katastrophe der Ungarnkriege im 10. Jhd. die frühmittelalterliche Klosterkultur Bayerns weitgehend zerstört hat. Historisch gesichert ist, dass die Bistümer Augsburg und Freising (und darin bestehende Klöster) Wein-Zehntrechte (verbunden mit Zufluchtstätten) in der Gegend von Klausen, Bozen und Meran hatten, deren Gründung z.T. bis in die Karolinger Zeit zurückreichten.
Mit angemessener historischer Bescheidenheit darf deshalb vermutet werden, dass 1010 die königlich verfügte Wiedereinsetzung des Klosters „in schon Bekanntem und noch zu Erkundendem“ auch die klösterlichen Weinrechte in Tirol mit einbezog.
Für die Pollinger Weinerer war die Wiedergründung des Klosters im Jahre 1010 jedenfalls Anlass genug, um den Namen des frommen Gründervaters auch mit zwei eigens von unserer Meraner Weinkellerei für die Pollinger Weinfreunde gekelterten und abgefüllten Weinen (wieder mit eigenem Etikett) besonders in Erinnerung zu bringen.
Diese beiden "Kaiserweine" fanden zwischenzeitlich so viele Freunde, dass sie bis auf Weiteres in unserem Sortiment bleiben werden.
Ja, dann sollten Sie uns Weinbrüder während der Verkaufszeiten ganz einfach mal besuchen. Wir freuen uns auf ein nettes Gespräch (vielleicht bei einem Gläschen Wein?) und Ihr Interesse an unserer Arbeit.
Wir
verraten Ihnen auch kein Geheimnis, wenn wir unser Engagement nicht als Last,
sondern als freudige Verpflichtung der selbst gesetzten Ziele sehen: Der
„Erfolg“ unserer Arbeit fließt nämlich in dörfliche Projekte.
So verwendeten, bzw. verwenden wir den Reinerlös unserer Aktivitäten:
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Also, bis bald......
Ihre
Pollinger Weinfreunde